Warum viele mit «Nein!» antworten…

Zeugen Jehovas und Muslime betonen es mit Nachdruck: «Es ist total falsch, dass man Jesus anbetet! Nur Gott allein darf angebetet werden!» Dabei verweisen sie oft auch auf eine Aussage von Jesus selbst. Nachdem nämlich der Teufel zu Jesus gesagt hat «Dies alles [alle Reiche der Welt] will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest!» (Matthäus 4,9), antwortete ihm Jesus Folgendes: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, [allein] anbeten und ihm allein dienen!» (Matthäus 4,10).[1]

Das griechische Wort für «anbeten» ist «proskünein», was wörtlich «sich vor jemanden (verehrend) niederwerfen» bedeutet und im Alten Testament vor allem für das hingegebene Anbeten des wahren Gottes[2] oder von anderen «Göttern» verwendet wird.[3] Dass man sich (verehrend) vor einem anderen Gott niederwirft, wird im Alten Testament immer wieder mit aller Deutlichkeit verboten.[4] Und auch Jesus weist die Aufforderung des Teufels, niederzufallen und sich vor ihm verehrend niederzuwerfen, vehement zurück: «Allein vor Gott soll man sich verehrend niederwerfen!».

 

Jesus liess es zu, dass Leute ihn «angebetet» haben!

Jetzt ist es sehr interessant, dass sich mehrfach Menschen verehrend bzw. anbetend vor Jesus niedergeworfen haben (dabei wird auch immer das Wort «proskünein» gebraucht). Die ersten, die sich vor Jesus verehrend niedergeworfen haben, waren die «Weisen aus dem Morgenland» (Matthäus 2,11). Jetzt könnte man sagen: «Jesus war damals noch ein Baby und konnte die nur Gott gebührende Verehrung, die ihm entgegengebracht wurde, nicht zurückweisen!». Ok. Aber was ist mit zahlreichen Fällen, wo sich Menschen vor dem erwachsenen Jesus «verehrend niedergeworfen» haben (siehe z. B. Matthäus 14,33; 28,9.17; Lukas 24,52; Johannes 9,38)? Nie hat Jesus gesagt: «Ihr dürft euch alleine vor Gott verehrend niederwerfen!» Nachdem Jesus auf dem Wasser gelaufen und zu den Jüngern ins Boot gestiegen war und den Sturm gestillt hatte, warfen sich seine Jünger vor Jesus nieder und sprachen: «Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn!» (Matthäus 14,25-33). Was sagt Jesus? Nichts! Er lässt diesen Akt der Anbetung einfach stehen.

Die «Anbetung» Jesu ist von Gott gewollt!

Als sich der römische Hauptmann Kornelius vor Petrus niederwarf, richtete er ihn sofort auf und sagte: «Steh auf! Auch ich bin ein Mensch.» (Apostelgeschichte 10,25-26). Sogar ein mächtiger Engel lehnte es vehement ab, dass der Apostel Johannes sich anbetend vor ihm niederwirft, indem er sagte: «Nicht! Ich bin dein Mitknecht… Bete Gott an!» (Offenbarung 19,10; 22,8-9). Warum lehnte es Jesus nicht ab, dass Menschen sich vor ihm niederwarfen? Warum liess er sich verehren bzw. anbeten? Die Antwort liegt auf der Hand: Weil er wusste, dass Gott, der Vater, es so wollte. Jesus sagt es in Johannes 5,22-23 deutlich:

«Gott, der Vater, richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohn gegeben, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.»

Dass die Anbetung Jesu in der Vergangenheit, Gegenwart und aller Zukunft von Gott gewollt ist, zeigen z. B. auch folgende Bibelstellen:

«Und … ich [Johannes] hörte eine Stimme vieler Engel rings um den Thron her und um die lebendigen Wesen und um die Ältesten; und ihre Zahl war Zehntausende mal Zehntausende und Tausende mal Tausende, die mit lauter Stimme sprachen: Würdig ist das Lamm [= Jesus Christus[5]], das geschlachtet worden ist, zu empfangen die Macht und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Herrlichkeit und Lobpreis. Und jedes Geschöpf, das im Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meer ist, und alles, was in ihnen ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm den Lobpreis und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Und die vier lebendigen Wesen sprachen: Amen! Und die Ältesten fielen nieder und beteten an.»  Offenbarung 5,11-14

«Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.»  Philipper 2,9-11

 

Jesus ist (auch) Gott!

Aber ist das nicht ein krasser Widerspruch: Jesus lässt sich gottgewollt anbeten und gleichzeitig betont er: «Gott allein soll angebetet werden!»? Es ist nur dann ein Widerspruch, wenn man (wie z. B. die Zeugen Jehovas, die Muslime und neuerdings auch immer mehr Christen) es leugnet, dass Jesus nicht nur 100% Mensch[6] ist, sondern auch 100% Gott. Dass Jesus wie der Vater eben doch (auch) «Gott» ist, betonen die neutestamentlichen Autoren z. B. an folgenden Stellen klar und deutlich:

  • Johannes 1,1: «Im Anfang war das Wort [nach Vers 14 meint es den Mensch gewordenen Jesus], und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.»
  • Hebräer 1,8: «Von dem Sohn aber spricht der Vater: ‘Dein Thron, o Gott, ist von Ewigkeit zu Ewigkeit…’[7]»
  • 1.Johannes 5,20: «Dieser [= Jesus Christus] ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben.[8]

In Römer 10,13 identifiziert Paulus Jesus sogar mit Jahwe selbst. Er schreibt dort nämlich: «Jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden.» Mit «dem Herrn» meint Paulus unmissverständlich Jesus Christus (siehe Römer 10,9: «Wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennst…»; und siehe auch die Argumentation in Römer 10,10-12). Wichtig ist nun zu beachten, dass Paulus in Römer 10,13 aus der griechischen Übersetzung von Joel 3,5 zitiert. Aus dem Hebräischen übersetzt steht dort Folgendes: «Jeder, der den Namen Jahwes anrufen wird, wird errettet werden.» Mit anderen Worten: Paulus sieht in Jahwe (auch) Jesus, sonst würde er es nie und nimmer wagen, den Vers aus Joel 3,5 zu zitieren und auf Jesus zu übertragen.

 

Schon das Alte Testament zeigt: Gott «besteht» aus mindestens zwei Personen!

Schon von Beginn weg macht es Gott in der Bibel deutlich, dass er als der eine Gott aus mindestens zwei Personen «besteht», wenn er in 1.Mose 1,26 sagt: «Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild!».

Interessant ist dabei die Tatsache, dass im Alten Testament mehrmals der «Engel Gottes» bzw. «Engel Jahwes» mit Gott bzw. Jahwe gleichgesetzt wird.[9] Die eindrücklichste Stelle ist 2.Mose 3,1-6. Im zweiten Vers heisst es: «Da erschien ihm der Engel Jahwes in einer Feuerflamme mitten aus dem Dornbusch.» In Vers 4-5 lesen wir dann: «Als aber Jahwe sah, dass er herzutrat, um zu sehen, da rief ihm GOTT mitten aus dem Dornbusch zu und sprach: Mose! Mose! Er antwortete: Hier bin ich. Und er sprach: Tritt nicht näher heran! Zieh deine Sandalen von deinen Füßen, denn die Stätte, auf der du stehst, ist heiliger Boden!»

Wenn man nun bedenkt, dass das hebräische Wort für «Engel» wörtlich zunächst einfach «Bote» bzw. «Gesandter» bedeutet, dann ist es kein Problem im «Engel Jahwes» Jesus zu sehen, der nach dem Neuen Testament kein eigentlicher Engel im Sinn eines von Gott geschaffenen Geistwesens ist, sondern der ewige, ungeschaffene Sohn Gottes bzw. Gott selbst. Und das Gesandter-Sein passt sehr gut zu der sehr häufigen Selbstbeschreibung Jesu in den Evangelien «Ich bin gesandt...».[10]

 

Jesus bekräftigt sein Gott-Sein!

Ja, Jesus hat selbst nie direkt gesagt: «Ich bin Gott!» Aber indirekt hat er es mehrfach bekräftigt und nie widersprochen, wenn jemand ihm das «unterstellt» hat.

So sagt er z. B. in Johannes 10,30: «Ich und der Vater sind eins!». Auf diese Aussage hin hoben die Juden Steine auf, um Jesus zu töten. Ihre Begründung lautete: «Du machst dich selbst zu Gott!» (Johannes 10,31-33).

Auch durch eine andere Aussage erzürnte Jesus die Schriftgelehrten einmal sehr. «Mensch, deine Sünden sind dir vergeben!», sagte Jesus zu einem Gelähmten (Lukas 5,20). «Wer ist dieser, der solche Lästerungen redet? Wer kann Sünden vergeben ausser Gott allein?», war die Reaktion der Leute (Markus 2,7), die die Aussagen des Alten Testaments gut kannten, dass die Vergebung der Sünden (nur) von Gott geschenkt wird.[11]

Ein anderer indirekter Hinweis von Jesus, dass er Gott ist, sehen wir nach Ostern. Als der Apostel Thomas staunend vor dem auferstandenen Jesus steht und ruft: «Mein Herr und mein Gott!» (Johannes 20,28), weist Jesus ihn nicht als Gotteslästerer zurecht, sondern sagt: «Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben!» (Johannes 20,29).

Klar: Auch wenn Jesus wie der Vater Gott ist, er unterordnet sich doch Gott, dem Vater, und seinem Willen. So sagt Jesus z. B. in Joh 14,28 «Der Vater ist größer als ich.» und in Johannes 5,30: «Ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.».

Zusammenfassend können wir also sagen: Es ist nicht nur nicht verboten, dass wir Jesus anbeten, sondern sogar geboten. Jesus hat es deutlich gesagt: «Wer den Sohn nicht (so) ehrt (wie den Vater), ehrt den Vater nicht!» (Johannes 5,23).

 

Jesus wahrhaftig «anzubeten» geht nicht ohne praktischen Gehorsam!

Wer jetzt meint, dass Jesus anzubeten lediglich bedeutet, sich vor ihm verehrend niederzubeugen und/oder ihm irgendwelche herrlichen Worte zu sagen bzw. zu singen, täuscht sich gefährlich. Wichtiger als der Lobpreis mit den Lippen (der gut und wichtig ist), ist die Anbetung Jesu durch ein Leben, in dem man sich ihm hingibt und ihm ganz gehorcht.[12] Schon in 1.Samuel 15,22 lesen wir: «Hat der HERR [wirklich] so viel Lust an Brandopfern und Schlachtopfern wie daran, dass man der Stimme des HERRN gehorcht? Siehe, Gehorchen ist besser als Schlachtopfer [und die sie begleitenden Gebete].» Wie sehr Jesus nicht nur am verehrenden Liebesbekenntnis mit Worten, sondern an Taten interessiert ist, hat er in Johannes 14,15 ausdrücklich gesagt: «Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten!».

So ist es auch kein Zufall, dass Jesus zu seinen sich vor ihm anbetend niederwerfenden Jüngern[13] sagt: «Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern … und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe!» (Matthäus 28,19-20).

 

Jesus will sich denen offenbaren, die ihn momentan noch als Gott ablehnen!

Vor einiger Zeit traf ich auf der Strasse einen sehr gelehrten Muslim mit seiner Frau und Tochter. Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass er eine Schrift verfasst hat, wo er mit Bibelstellen zu belegen versucht, dass Jesus nicht Gott ist und man ihn nicht anbeten soll. Ich fragte den Mann, ob jemand seiner Familie körperliche Schmerzen hatte. Er verwies auf seine Frau, die immer wieder Kopfschmerzen habe, auch aktuell. Ich durfte für sie im Namen von Jesus beten. Die Schmerzen waren sofort nach meinem kurzen Gebet zur Überraschung aller weg! Auch für die Tochter durfte ich beten. Und auch sie wurde von Jesus geheilt. Dann fing ich an, mit allen drei über das Evangelium und die Person Jesu zu reden. Am Schluss unseres Gespräches wollte ich dem Mann meine Karte gegeben, aber er wies sie zurück. Als ich nach dem Grund fragte, sagte er sinngemäss: «Ich will mich nicht weiter in Versuchung bringen!» Sein bisheriges Jesus- und Gottesbild hatte durch die Heilungen und meine Argumente offenbar angefangen zu wanken, und davor hatte er Angst.

Ist ein Umdenken auch bei dir dran? Dann lass es bitte zu. Jesus ist durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung nicht nur der einzige Weg zu Gott, dem Vater, der dich liebt. Jesus ist auch «der wahrhaftige Gott», der von dir angebetet werden möchte! Bitte entscheide dich, noch heute deine Knie (auch) vor Jesus zu beugen und umfassend Busse zu tun, bevor er es zu spät dafür ist!

Dr. Lukas Stolz

September 2018

 

Die heisse Diskussion zum Thema

Nachdem ich meinen Artikel «Sollen wir Jesus anbeten?» in einem sozialen Medium publiziert hatte, kam es zu einer tiefgehenden Diskussion mit einem evangelikalen Christen, die ich hier gerne wiedergebe.

Herr XY:

Jesus ist Gottes Sohn. Er ist unser Herr. Jesus als Gott zu bezeichnen trifft den Kern seines Wesens nicht. Leider machst du voreilige Vernunftsschlüsse ... z B. Als Gott sagte "lasst uns Menschen machen" kann er auch die Engel gemeint haben die ja dafür da sind um seinen Willen auszuführen. Der Vernunftsschluss, das Gott mehrere gewesen sein muss ist somit nicht korrekt.

Lukas Stolz:

Ja, Jesus wird sehr oft als «Sohn Gottes» bezeichnet, aber in einzelnen Stellen eben auch deutlich als «Gott». Darin besteht kein Widerspruch: Als Sohn Gottes, des Vaters, kann er auch wesenhaft Gott sein.

Die Interpretation zu Gen 1,26 ("Lasst uns...") basiert nicht auf einem Vernunftschluss, sondern auf dem innerbiblischen Zeugnis:

1.      Von Jesus wird in der Bibel mehrfach gesagt, dass er die Welt miterschaffen hat (siehe z.B. Joh 1,3; Hebr 1,2). Von den Engeln steht das an keiner Stelle.

2.      Vergleiche "Lasst UNS Menschen machen..." mit dem darauffolgenden Vers, wo es heisst: "Und GOTT (nicht Gott mit den Engeln) schuf den Menschen..."

3.      Nirgends in der Bibel ist die Rede davon, dass wir Menschen auch nach dem Bild der Engel geschaffen sind. Wenn es in Vers 26 heisst: "Lasst uns Menschen machen nach UNSEREM Bild", ist damit nicht das Bild von Gott und den Engeln gemeint, wie Vers 27 zeigt: "Nach dem Bild GOTTES schuf er sie."

Herr XY:

Dennoch wurde Jesus geschaffen und vor allem als SOHN gezeugt. Er ist also nicht wie der Vater. Er ist VON Gott und AUS Gott, er ist eins mit Gott, das ist richtig. Dennoch ist er nicht Gott selbst, sondern eben sein Sohn.

Lukas Stolz:

Ich sehe das nicht so. In Joh 1,1 heisst es von Jesus: "Im Anfang war das Wort". Es heisst nicht: "Im Anfang wurde das Wort geschaffen". Jesus existierte, bevor alles geschaffen wurde. So sagt er selbst auch in Joh 17,5: "Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, EHE DIE WELT WAR!" In Offb 22,13 sagt Jesus zudem deutlich: "Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der ANFANG und das Ende." Wie könnte das jemand sagen, der selbst einen Anfang hat? Nur der ewige, allmächtige Gott sagt so etwas sonst (siehe Offb 1,8).

Dann zum Thema der "Zeugung" von Jesus. In Psalm 2,7 sagt Jahwe (Gott, der Vater) von Jesus als dem Messias Folgendes: "Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt." Lieber Herr XY, du nimmst diese Stelle (und evtl. andere), und legst sie auf die Erschaffung Jesu aus. Aber dem widerspricht Paulus, wenn er in Apg 13,33 diesen Vers zitiert und ihn auf die Auferweckung Jesu bezieht. Indem Gott, der Vater, Jesus aus den Toten auferweckt hat, hat er ihn "gezeugt". Das heisst er hat ihn "als Sohn Gottes in Kraft eingesetzt", wie Paulus es in Röm 1,4 sagt. Hat Jesus schon vor Ostern existiert? Selbstverständlich. War Jesus schon vor Ostern der Sohn Gottes? So hat er es mehrfach gesagt.

Herr XY:

Selbstverständlich kann Jesus das sagen als erster vollkommener Mensch, und als letzter Adam!

Lukas Stolz:

Nach der Bibel "wurde" Jesus (erst) durch den Heiligen Geist Mensch bzw. der zweite Adam (vgl. z.B. Joh 1,14). Vorher war er kein Mensch, sondern "in der Gestalt Gottes" bzw. "Gott gleich" wie es in Phil 2,6 heisst. Dann möchte ich nochmals auf die Aussage Jesu in Offb 22,13 verweisen ("Ich bin das Alpha und Omega"). Denn in Offb 1,8 sagt Gott, der Vater, von sich: "Ich bin das Alpha und Omega...", um damit seine ewige Existenz zu betonen.

Herr XY:

Bitte missverstehe mich nicht. Ich bestreite nicht das Jesus göttlich war. Ich habe den Eindruck das du mir das unterstellst. Ich sagte ja mehrfach das er Gottes Sohn und daher AUS und VON Gott ist. Mir geht es nur um die Differenzierung von Jesus als Gott.

Lukas Stolz:

Lieber Herr XY, ich will dir nichts unterstellen und bin froh, dass du an Jesus als den Sohn Gottes glaubst. Aber ich bitte dich, deine Überzeugung, dass Jesus "göttlich", aber nicht "Gott" ist (was übrigens auch die Zeugen Jehovas lehren), biblisch zu hinterfragen (bitte prüfe auch deine Ansicht, dass Jesus "geschaffen" wurde, die auch von den Z. J. gepredigt wird). Denn das griechische Wort für "göttlich" ("theios") wird für die Person Jesus in der Bibel kein einziges Mal gebraucht. Wohl aber wird Christus z.B. in Joh 1,3 und Hebr 1,8 als "Gott" ("theos") bezeichnet, in 1.Joh 5,20 sogar als "DER wahrhaftige Gott". Klar, Jesus ist nicht der Vater, und der Vater ist nicht der Sohn; und Jesus ist auch dem Vater klar untergeordnet (siehe z.B. 1.Kor 11,3). Aber Jesus, der Sohn Gottes, ist nach der Bibel wie der Vater "Gott". Der Herr segne dich!

Herr XY:

Schau doch mal auf den Thron Gottes. Wer sitzt auf dem Thron und wer steht daneben. Oder allein die Frage "zu wem sollen wir beten".

Lukas Stolz:

Lieber Herr XY, ich habe den Eindruck, dass du ausweichst. Bitte stelle dich den Bibelstellen, wo Jesus als "Gott" bezeichnet wird (Joh 1,3; 20,28; Hebr 1,8; 1.Joh 5,20 usw.). Dass nach gewissen Bibelstellen Jesus neben dem Thron des Vaters "steht", widerspricht seinem Gott-Sein in keiner Weise. Zudem solltest du die zahlreichen Stellen beachten, wonach Jesus neben dem Vater "sitzt" (siehe z.B. Eph 1,20; Kol 3,1; Hebr 8,1; 12,2). Und beachte bitte auch Offb 22,3 wo vom "Thron Gottes und des Lammes" die Rede ist (es gibt EIN Thron für den Vater und den Sohn)! Schon in Offb 5,6 heisst es, dass Jesus sich "inmitten des Thrones" des Vaters befindet.

Dann zur Frage, zu wem wir beten sollen: Ich nehme an, du meinst mit "beten" nicht "anbeten", sondern "anrufen". Denn in der obigen Notiz habe ich ja gezeigt, dass Jesus sein Angebetet bzw. Verehrt-Werden zugelassen hat (siehe z.B. Joh 20,28), und ich habe auch die Bibelstellen erwähnt, die zeigen, dass die Anbetung bzw. Verehrung Jesu von Gott, dem Vater gewollt ist (siehe z.B. Joh 5,22-23; Offb 5,11-14). Ja, es ist so, dass Jesus uns lehrt, den Vater im Himmel anzurufen bzw. ihn um Dinge zu bitten sollen (siehe z.B. Mt 6,9ff). Aber Jesus lehrt uns in Joh 14,14 auch: "Wenn ihr MICH etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun." Aufgrund dieses Wortes haben die Jünger Jesu ihren Meister immer wieder angerufen und ihn um Dinge gebeten (siehe z. B. Apg 7,59; 1.Kor 1,2; 2.Kor 12,8-9; 1. Tim 1,12; 2.Tim 2,22). Eine Stelle, die wir im Hinblick auf unsere Diskussion rund um das Gott-Sein Jesu unbedingt näher betrachten müssen, ist Röm 10,13 und das Zitat aus Joel 3,5. Paulus identifiziert dort Jesus, den anzurufenden «Herrn», mit Jahwe.

Herr XY:

Vielen Dank für deine gründlichen Auführungen. Du hast völlig recht, das wir auch zu Jesus beten dürfen oder ihn auch anbeten dürfen. Mir geht es nur um die Verhälnismäßigkeit, bzw die Gewichtung. Viele Christen beten immer nur zu Jesus und beten nur ihn an, oder sie vermischen ständig Jesus und den Vater ... Ich finde wir sollten den Vater wieder mehr in den Mittelpunkt stellen. Ich hoffe du verstehst was ich meine. Mir ist auch klar das Jesus an verschiedenen Stellen als Gott bezeichnet wird. Dennoch gibt es nur EINEN Gott und EINEN Herrn. So lautet auch das heilbringende Bekenntnis. Jesus Christus ist der Herr.
Gott segne dich und nochmals vielen herzlichen Dank!

Lukas Stolz:

Ich spüre dich und wünsche dir auch Gottes Segen! Der Herr segne dich!

 


[1] An welche alttestamentliche(n) Stelle(n) sich Jesus anlehnt, ist umstritten; ich meine, es ist Ex 23,24-25. Das erste «allein» steht zwar nicht im Text, ist aber von Jesus durch die Zurückweisung des Teufels und durch die Parallelsetzung von «anbeten» mit «allein dienen» klar mitgedacht.

[2] Siehe z. B. 1.Mose 22,5; 24,26.48; 2.Mose 4,31; 5.Mose 26,10.

[3] Siehe z. B. 2.Mose 20,5; 23,24; 32,8; 34,14; 4.Mose 25,2; 5.Mose 4,19; 8,19; 11,16.

[4] Siehe z. B. 2.Mose 20,5; 23,24; 34,14; 3.Mose 26,1.

[5] Siehe z. B. auch Johannes 1,29.36; Apostelgeschichte 8,32-35.

[6] Siehe z. B. 1. Timotheus 2,5: «[E]iner ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus».

[7] Siehe Psalm 45,7.

[8] Dass Jesus Christus gemeint ist, liegt aus zwei Gründen auf der Hand: 1. Es liegt viel näher, dass sich das Demonstrativpronomen «dieser» auf den Letztgenannten im ersten Versteil bezieht, und das ist nicht «der Wahrhaftige» (Gott, der Vater), sondern «sein Sohn Jesus Christus»; 2. in 1.Johannes 1,1-2 wird Jesus explizit «das ewige Leben» genannt.

[9] Siehe z. B. 1.Mose 31,11-13 und Sacharja 3,1-3.

[10] Siehe z. B. Lukas 4,18.43; 9,48; 10,16; Johannes 3,17; 4,34; 5,23-24.30.

[11] Siehe z. B. 2.Mose 34,6-7; Psalm 130,4; Jesaja 43,25; 55,7.

[12] Siehe z. B. Lukas 9,23-26; Johannes 3,36.

[13] Siehe Matthäus 28,17.

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